30.09.2015, teilverblocktes Seminar: Personenbezogene Dienstleistungen im Postfordismus

Seminar von Tove Soiland: “We are nursing as fast as we can.“

Im Bereich der Care-Arbeit, dem täglichen Versorgen von Menschen, ist nicht nur ein Niedriglohnsektor mit deregulierten und prekarisierten Arbeitsverhältnissen entstanden. Dort, wo dieser Bereich öffentlich organisiert ist, gerät er heute zusätzlich und im Zuge der Finanzkrise noch verschärft unter den Spardruck der öffentlichen Hand. Wir fragen im Seminar einerseits nach den neuen Formen von Entfremdung, die entstehen, wenn im Namen von Effizienzsteigerung und Kostensenkung eine Taylorisierung in Kinderkrippen und Krankenhäusern Betreuerinnen und Pflegerinnen dazu zwingt, ihre Arbeit, die immer mit Menschen zu tun hat und in denen es folglich vorrangig um Beziehungen geht, nach Kriterien streng betriebsökonomischer Logiken zu reorganisieren, die einem ganz anderen Kontext, nämlich dem der Produktion von Gütern entstammen. Anderseits möchten wir verstehen, welches die ökonomischen Gründe dafür sind, dass die von der Frauenbewegung geforderte Berufstätigkeit von Frauen diese nicht in einen fordistischen, sondern in einen nunmehr völlig veränderten Arbeitsmarkt integriert: Anders als der fordistische Arbeiter, der die Autos, die er produzierte, auch selber erwerben konnte, kann die heutige Care-Arbeiterin die Dienste, die sie erbringt, mit ihrem eigenen Lohn kaum mehr für sich selber und ihre Angehörigen kaufen. Im Zentrum steht dabei die These von Silvia Federici, dass wir es gegenwärtig mit einer fundamentalen Strukturanpassung im Bereich der sozialen und individuellen Reproduktion in den Zentren des westlichen Kapitalismus zu tun haben.

Details zum Seminar HIER (PDF)